Web-Shop
Der allgemeine Sprachgebrauch verwendet den Begriff „Web-Shop" als Abkürzung für eine Verkaufsstelle, die einige Funktionen des WorldWideWeb in ihre Prozesse integriert hat. Oftmals wird in Deutschland nur von einem Shop gesprochen, wenn eine Möglichkeit des Internets integriert wird, was in dem vorliegenden Buch ebenfalls so gehandhabt wird. Was ist konkret mit den „Möglichkeiten des Internets" gemeint?
Ein umfassendes Verständnis der Möglichkeiten wird sich erst nach einem Blick in die Grundlagen des neuen Mediums einstellen. Für eine erste Einschätzung und Definition des Begriffes „Web-Shop" soll eine grobe Struktur verwendet werden. Die Verfeinerung stellt sich dann im weiteren Verlauf ein.
Mit dem neuen Medium Internet treffen neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und der Kommunikation auf alte Prozesse. Der Verkauf wird mit dem Internet ja nicht neu erfunden. Er setzt sich noch immer aus den Teilprozessen:
Interessentengewinnung,
Angebot,
Bestellung,
Übergabe und
Bezahlung
zusammen. Erst mit dem erfolgreichen Durchlauf durch diesen Prozess ist ein Kauf zwischen beiden Parteien abgewickelt. Das gilt sowohl für den stationären Handel, als auch für den Versandhandel.
Das Internet ersetzt den persönlichen, direkten Kontakt durch eine Information über die Person, das Unternehmen, die Ware oder den Marktplatz. Das Ergebnis dieses Realitätsersatzes belegt man meist mit dem Adjektiv „virtuell"[1]. Die Begriffsbildung „virtuelle Realität" mutet zwar wie eine contradictio in adjecto an, ihre Teilbereiche finden aber Eingang in die ökonomischen Strukturen des E-Commerce. Ebay, Mercateo und Andere werden oft als „Virtuelle Märkte" bezeichnet. Dieser Begriff ist ähnlich etabliert, wie „Virtuelle Produkte" mit denen digitale Güter oder Dienstleistungen beschrieben werden, die anders als physische Güter direkt über das Internet versendet werden. Darunter fallen auch Dienstleistungen, wie das Online-Banking, die Vermittlung von Reisen oder der Download von Musik. „Virtuelle Unternehmen" sind weniger geläufig, zumal sie im praktischen Umgang nicht mit Nachdruck auf ihre Virtualität hinweisen. Bis die Ökonomie einen eigenständigen Sektor einer „Virtuellen Wirtschaft" abgebildet hat, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Den Web-Surfer kann man bereits als virtuellen Interessenten (als unbekannten Besucher) bezeichnen. Vor einer vollständigen Abwicklung eines virtuellen Kaufgeschäftes will aber der Umgang mit einer virtuellen Bonität und letztlich mit virtuellem Geld organisiert sein.
Jede einzelne Komponente der virtuellen Wirtschaft braucht das Internet oder sogar den Dienst des WorldWideWeb notwendigerweise als Medium. Wird auch nur ein Teilprozess aus der oben beschriebenen Verkaufskette mit der Virtualität des Netzwerkes kombiniert, so spricht man von einem Web-Shop. Meist ist bereits die Darstellung der Güter an einen virtuellen Interessenten gerichtet. Ob und in wieweit die konkrete Bestellung, die Kaufbestätigung, der Vertrag, die Lieferung oder die Zahlung mit Unterstützung des Internets durchgeführt werden, ist sekundär. Ein Web-Shop ist somit als eine Verkaufsstelle auf der Basis des Internets definiert, in der ein Teilbereich virtuell abgebildet wird.
Der Versandhändler betreibt einen Web-Shop, wenn er die Informationen über seine Produkte auf eine Web-Präsenz stellt, die Abwicklung aber mit der etablierten Logistik durchführt. Ein Hybridhändler[2], der seine Kunden sowohl über das Web, als auch lokal findet, betreibt einen Web-Shop, mit dem er seine Produktinformationen, Verfügbarkeiten und seinen Service kommuniziert. Der Download von Musik, der Verkauf von Büchern, die Vermittlung von Dienstleistungen, der Vertrieb von Konzertkarten oder der Aufruf zu Spenden findet in einem Web-Shop statt. Jedes der genannten und viele ungenannte Beispiele nehmen einen virtuellen Dienst des Netzes in Anspruch. Alle Anbieter stehen vor der Aufgabe, das Marketing für ihre Güter über das Netz zu organisieren.
[1] Nach einer Definition für virtuell suchen.
[2] Erklärung Hybridhändler
