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Das Integritätsprinzip

Das Integritäts-Prinzip

Die Messgrößen und Vorgaben zur Usability beschreiben die Güte einer Web-Präsenz nur unzureichend, denn Sie thematisieren die Gebrauchstauglichkeit einer Seite, deren Aufbau im Wesentlichen feststeht. Die Findability andererseits sieht die Tauglichkeit aus der Perspektive einer Software für Suchmaschinen und untersucht damit die formalen Kriterien der Frage: Mit welchen Mitteln stellt man die eigene Präsenz den Suchmaschinen als relevant für bestimmte Suchbegriffe dar? Beide Richtungen der Bearbeitung werden unter der Janus-Strategie  zusammengefasst.

Die Janus-Strategie ist eine Übersetzung des Relevanz-Prinzips in Leitlinien für Web-Präsenzen, und sie lässt Rückschlüsse auf die operative Tauglichkeit zu. Die Güte im Sinne einer qualitativ hochwertigen Nutzung des neuen Kommunikationsmediums für den Auftritt im WWW lässt sich damit nicht sichern. Sie wird wie bei jedem anderen Medium auch von der Integration des Auftritts in das übergeordnete Kommunikationskonzept bestimmt.

Die Kommunikation jeder Persönlichkeit  ist im allgemeinen Sinne eine über ein Medium abgegebene Botschaft. Im speziellen Sinne des Internet-Mediums schließt sich oftmals der Empfang von Nachrichten an. Das Medium ist interaktiv und die Teilnehmer wechseln damit unmittelbar und ohne Verzögerung von der Position des Senders auf die des Empfängers. Die Interaktion sorgt für eine erweiterte Form der Zusammenarbeit, die viele neue Werkzeuge anwendbar werden lassen, die bisher zumindest in der Massenkommunikation unmöglich schienen. In Sendemedien sind keine Diskussionsforen oder Chats zu realisieren, Kommentare zu Angeboten sind ebenso unmöglich, wie bedarfsgerechte Abrufe von Text, Daten oder Videos. Personalisierte Angebote, Konfiguratoren, interaktive Umfragen und Online-Auktionen standen zwar schon immer auf der Wunschliste der Marketingstrategen, die Realisierung war wegen des Medienbruchs im Rückkanal aber erschwert und im großen Stil unmöglich.

Eine gute Web-Präsenz realisiert zwar einige dieser modernen Features, aber eben nicht alle.  Kommunikation ohne Dissonanzen wählt die Module aus, die zu der Persönlichkeit des Unternehmens, zu der Corporate Identity (CI) passen. Insofern führt die Frage einer guten Web-Präsenz auf die optimale Auswahl der Module zur Kommunikation und Interaktion. Mit anderen Worten lassen sich Kriterien für eine gute Web-Präsenz nicht mit absoluter Gewissheit aufstellen, sondern nur im Hinblick auf die Integration in die Unternehmens-Kommunikaton.

In der Literatur wird häufig vom Identitäts-Mix des Unternehmens gesprochen, wenn man die abgestimmte Kombination der Corporate-Identity meint, die aus dem Corporate Behavior, dem Corporate Design und der Corporate Communication besteht.  In dieser Struktur erhält der Web-Auftritt eine ganzheitliche Definition, denn er beeinflusst alle drei Aspekte der CI. Für ein Kommunikationsmedium braucht man die Wirkung auf die Corporate Communication nicht zu erklären. Das Corporate Design tritt jedem augenfällig entgegen, der die Seiten einer Web-Präsenz mit dem Browser öffnet und betrachtet. Je nachdem, wie offen Informationen auf der Seite bereitgestellt werden und welche Module mit interaktiver Wirkung auf der Präsenz realisiert sind, wird das Verhalten des Unternehmens vom Besucher und Interaktionspartner wahrgenommen.

Der Web-Auftritt charakterisiert also die Persönlichkeit des Unternehmens, die CI. In Anlehnung an die alten Prinzipien der Ethik kann man eine Persönlichkeit entweder als gut beurteilen, indem man das Ergebnis ihrer Handlungen bewertet oder indem man die Gesinnung betrachtet, sozusagen den Aufbau der Persönlichkeit.  Die guten Tugenden wie Geduld, Klugheit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, und andere, führen in der Regel auch zu guten Handlungen. Hier wird gut im ethischen Verständnis also von schlecht abgegrenzt. Die Einordnung in die eine oder andere Kategorie erfolgt nicht über den Verstand, sondern über das Gefühl.

Jede Person und Unternehmung ist aber Teil einer Umwelt, die das Auftreten und die Handlungen bewertet. In Gegenüberstellung zu den Werten des Umfeldes geht es dann über gut oder schlecht hinaus zu richtig oder falsch. Handlungen sind also richtig, wenn sie zu den verabredeten Werten des Umfeldes passen und sie sind falsch, wenn Sie den geltenden Regeln zuwider laufen.

Kommen wir zwischendurch zurück auf die Aufgaben der Web-Präsenz. Die Aktionen und Ergebnisse der Janus-Strategie lassen sich mit den Handlungen der Person vergleichen. Sie wirken auf das Umfeld - hier auf die menschlichen Besucher und die Robots. In deren Einschätzungen sind also die Wirkungen der Web-Präsenz richtig oder falsch. Dabei kommt es eben nicht auf den statischen Aufbau der Präsenz, also die Zusammenstellung der Module an, sondern auf die Kriterien der Usability und der Findability. Der Ablauf, die Dynamik des Prozesses stehen im Vordergrund.

Eine Person oder ein Unternehmen ist nicht richtig oder falsch. Die Handlungen passen zu den Erwartungen, zu der Persönlichkeit. Sie tut, was Sie sagt. Sie agiert auch unter unterschiedlichen Umfeldbedingungen konsistent und eindeutig. Dann charakterisiert man die Persönlichkeit als integer. Sie hat Prinzipien und sie handelt danach. Die Integrität ist gewahrt.

Die Web-Präsenz gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, sich in einem neuen, interaktiven Medium wiederum darzustellen. Es ist ein neues Umfeld für den Auftritt, eine Plattform mit der Chance, die Persönlichkeit einmal mehr für die Besucher zu bestätigen. Jetzt kommt es darauf an, die Integrität unter Beweis zu stellen. Zur Strukturierung hilft der oben bereits angesprochene Identitäts-Mix der Corporate Identity. Die CI muss in allen Medien gleichermaßen ohne Dissonanzen übertragen werden. Diese Aufgabe wird als das Integritäts-Prinzip bezeichnet.

Das Integritäts-Prinzip muss im Internet wie in jedem anderen Medium beachtet werden. Unter dieser Anforderung hat das neue Medium keine Sonderstellung. Das Integritäts-Prinzip ist nur schwieriger in Strategien umzusetzen, weil das Internet erheblich komplexer ist, als die anderen traditionell bekannten Massen- oder Individualmedien. Die angebotenen Möglichkeiten sind so umfangreich, dass die Auswahl eine besondere Herausforderung ist. Diese Auswahl bestimmt in der Gesamtheit die Persönlichkeit, hier wird das Integritäts-Prinzip eingehalten oder verletzt. Der Besucher entscheidet nach Gefühl und relativ schnell, ob die CI gewahrt ist oder nicht. Dissonanzen setzen sich sofort fest.